Die Vögel

Textbearbeitung & Inszenierung: J.U. Lensing  ·  nach Aristophanes

Jahr & Rahmen

1996

nach Aristophanes (414 v. Chr.)

Spielstätte

JuTA

Düsseldorf

Format

Komödie · Tanz · Musik

Masken · Livemusik

Über die Produktion

Aristophanes schrieb die „Vögel“ im Jahr 414 vor Christus — mitten im Peloponnesischen Krieg, als athenische Truppen auf Sizilien marschierten und Athen sich selbst in die Katastrophe trieb. Was dabei entstand, ist politische Satire in Verkleidung: zwei Aussteiger aus der dekadenten Stadt fliehen, suchen eine andere Welt, finden die Vögel und gründen — Wolkenkuckucksheim. Zwischen Göttern und Menschen, in der Luft zwischen allem.

Das Theater der Klänge hat sich 1996 dieses Stoffs angenommen — nicht als museale Wiederbelebung, sondern als spartenübergreifende Auseinandersetzung. Die Textbearbeitung von Jörg U. Lensing (teilweise auch Clemente Fernandez) nach Übersetzungen von Schadewaldt und Kraus verdichtet und aktualisiert die Komödie auf ihre politische Substanz: die Sehnsucht nach einer anderen Welt, der Bau dieser Welt — und ihre sofortige Korrumpierung durch dieselben Menschen, die ihr entflohen sind. Das ist nicht nur ein antikes Sujet, sondern in seiner Thematik ein hochmodernes Stück, das zufällig aus dem Jahr 414 v. Chr. stammt.

Was das Stück so triftig macht, ist der innere Widerspruch, den Aristophanes exponiert: Pistetairos, der Überzeugende, will eine neue, gerechte Welt — und wird bei ihrer Gründung selbst zum Herrscher, der jeden abweist, der diese neue Welt für eigene Zwecke missbrauchen will. Die Korrumpierung kommt nicht von außen: sie kommt von innen. Kaum ist Wolkenkuckucksheim gebaut, strömen die Schlechtesten aus Athen an, um in der neuen Stadt ihre alten Geschäfte zu betreiben: der Dichter, der Orakeldeuter, der Stadtplaner, der Spitzel. Aristophanes lacht — aber kalt.

Musik lebte auf der Bühne: Mathis Hagedorn an Flöten, Thomas Wansing an Percussion, Psalter und Harmonium, Roland Weber an Santouri, Saz und Bouzouki. Dazu Masken — europäische und balinesische — die die Vogelgestalten aus reinem Körper erschufen. Die choreografische Arbeit lag bei Jacqueline Fischer und Kerstin Hörner. Die Inszenierung gastierte 1997/98 im Rahmen der Jubiläumsretrospektive in Thessaloniki und Paris — das Pariser Gastspiel in französischer Sprache, die Aufführungen in Thessaloniki auf Deutsch mit griechischen Untertiteln. Aristophanes kehrte damit nach fast 2400 Jahren — in moderner Fassung, gespielt von einem deutschen, aber international zusammengesetzten Ensemble — nach Griechenland zurück.

Das Ergebnis war ein Theaterabend, der Aristophanes ernst nahm — ohne die Komödie zu streichen.


Förderung: Stadt Düsseldorf (Miet- und Produktionskostenzuschuss) · Land NRW / Theaterreferat des Kultusministers (Produktionskostenzuschuss) · Stiftung Kunst und Kultur NRW (Projektzuschuss) · Stiftung van Meeteren

Besetzung

Pisthetairos · Architekt Meton · Ungeratener Sohn
Clemente Fernandez

Evelpides · Basileia
Jacqueline Fischer

Wiedehopf · Hymnen-Komponist · Künstler · Poseidon
Kai Bettermann

Nachtigall · Journalistin
Carola Bambas

Chorführer · Iris
Kerstin Hörner

Vogelpriester · Herakles
Christophe Thebault

Baumläufer · Triballer
Isabelle Rivoal

Prometheus · Spatzenbote
Nathalie Cohen

Chor der Vögel

Karima Bende
Carolina Dotter
Nina Jacquemard
Thusnelda Mercy
Jenny Schäfer
Konstantinos Tzintziras

Musik

Mathis Hagedorn (Flöten)
Thomas Wansing (Perc., Psalter, Harmonium, Hackbrett)
Roland Weber (Perc., Santouri, Saz, Bouzouki, Gitarre)

Stab

Bühnenbild
Zahra Ritz-Rahman

Kostüme
Caterina Di Fiore

Kostümassistenz
Susanne Kardes · Corinna Smidt · Katrin Wessel

Kostümhilfen
Monique Lipp · Ulla Wrobel

Masken
Nathalie Cohen · Erhard Stiefel

Balinesische Masken
I.B. Anom · I.N. Setiawan · I.W. Suba

Licht
Luce Nordmann · Thomas Neuhaus

Trainingsleitung
Jacqueline Fischer · Kerstin Hörner

Choreografische Beratung
Nirupama Nityanandan (Bharata Natyam)
Anna Armenini (griechische Volkstänze)

Künstlerisches Betriebsbüro: Dorothea Verheyen
Fotos: Barbara Bechtloff · Oliver Eltinger

Die Vögel – Pressespiegel

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