Die Vögel

Eine komische und phantastische Geschichte nach Aristophanes

Pisthetairos: Du kannst auch sagen: “Raum”. Doch weil der Raum überall hinreicht und in ihn alles hineinreicht, heißt er nun “Bereich”. Bebaut ihn aber einmal und umzieht ihn mit Grenzen, so wird der Bereich zum Reich…

Das Ensemble

Besetzung der Uraufführung am 22. Februar 1996 im Jungen Theater in der Altstadt (JuTA) Düsseldorf

Bearbeitung: Jörg U. Lensing / Theater der Klänge
Inszenierung: Jörg U. Lensing
Dramaturgische Beratung: Dr. Andreas Bossmann
Choreografische Arbeit: Jörg U. Lensing, Jacqueline Fischer, Kerstin Hörner
Choreografische Beratung: Nirupama Nityanandan
Bühnenbild: Zarah Ritz-Rahman
Kostüme: Caterina Di Fiore
Kostümassistenz: Susanne Kardes, Corinna Smidt, Katrin Wessel
Kostümhilfen: Monique Lipp, Ulla Wrobel
Masken: Nathalie Cohen, Erhard Stiefel
Balinesische Masken: I.B. Anom, I.N. Setiawan, I.W. Suba
Musikalische Konzeption: Jörg U. Lensing, Thomas Neuhaus
Licht: Luce Nordmann
Trainingsleitung: Jacqueline Fischer, Kerstin Hörner
Theater- und Projektleitung: Jörg U. Lensing
Künstlerisches Betriebsbüro: Dorothea Verheyen
Plakat- und Programmgestaltung: Erne Kis, Ernst Merheim
Fotos: Barbara Bechtloff
Musik: Matthes Hagedorn: Flöten
Thomas Wansing: Percussion, Klavierharfe, Psalter, Harmonium
Roland Weber: Percussion, Santouri, Saz, Bouzouki, Gitarre
Darsteller: Carola Bambas, Kai Bettermann, Nathalie Cohen, Clemente Fernandez, Jacqueline Fischer, Kerstin Hörner, Isabelle Rivoal, Christophe Thebault
Chor-Vögel: Karima Bende, Mona Deußen, Damaris Gendolla, Tusnelda Mercy, Jenny Schäfer, Konstantinos Tzintziras

Über die Produktion

1995/96 beschäftigte sich das Theater der Klänge erstmalig mit einem Stück aus der “Theater-Weltliteratur”. Diverse deutsche Übersetzungen zugrundelegend entschied sich das Theater der Klänge im Probenprozeß zur Bearbeitung bzw. zur Neufassung des Stücks “Die Vögel” von Aristophanes, welche von Jörg Lensing in Zusammenarbeit mit dem Schauspieler Clemente Fernandez erstellt wurde.

Das Stück handelt von den zwei Aussteigern Evelpides (der Hoffnungsvolle) und Pisthetairos (der Überzeugende), die Athen verlassen und in einer Welt zwischen der Erde und der Welt der Götter landen. Es ist die Welt der Vögel. Die Vögel nehmen die beiden in ihre Welt auf und machen sie zu ihresgleichen. Die beiden überzeugen die Vögel davon, daß diese die Macht haben, über die Menschen zu herrschen und selbst den Göttern zu trotzen. Die Vögel lassen sich davon überzeugen und errichten als Zeichen ihres neuen Anspruchs eine von einer Mauer umgebene Luftstadt zwischen der Götter- und der Menschenwelt.

Evelpides und Pisthetairos werden zu Architekten einer neuen, “vorbildlichen” Gesellschaft, die binnen kürzester Zeit eine Machtposition erreicht, die sowohl von den Menschen, als auch von den Göttern nicht mehr ignoriert werden kann. Dafür zahlt die ursprünglich paradiesische Welt der Vögel den Preis, sich mit Pisthetairos einen unumschränkten Herrscher über diese neue Welt eingehandelt zu haben. Aristophanes übt mit dem Stück “Die Vögel” konkrete Gesellschaftskritik an den Zuständen im alten Athen, aber auch am menschlichen Umgang mit Macht.

“Die Vögel” stehen für eine andere Welt, die nach anderen Gesetzmäßigkeiten funktioniert. Diese wird zwar konkret mit Vogelnamen benannt, gemeint ist aber eine paradiesische Welt, die Kontakt zur zivilisierten Welt hat. Auch für Kolumbus waren Eingeborene, auf die er traf, weder Mensch noch Tier, sondern heidnische Kreaturen, die das Paradies bevölkerten.

Aristophanes gelingt also, wenn man den Stoff so betrachtet, das seltene Kunststück ein zeitloses politisches Märchen zu erzählen.
Das Theater der Klänge erstellte die Adaption dieses alten Stoffes in einer neu inszenierten Mischung aus Maskenspiel, Tanzchor und eigens für das Stück komponierter Bühnenmusik. Dabei flossen die unterschiedlichen Erfahrungen der vorangegangenen beiden Stücke in die Inszenierung ein.

Grundlage des Spiels war die mittlerweile beim Theater der Klänge zum Stilmittel gewordene Schauspielarbeit mit Masken, wie durch “Die barocke Maskenbühne” und “Reden ist Silber…” zur Virtuosität gebracht. Grundlage der choreographischen Arbeit und insbesondere der Gestensprache der “Vögel” war die Beschäftigung mit indischen Tanzformen, wie zuletzt in LUDUS DANIELIS erforscht.

Grundlage der Bühnenmusik war eine improvisatorische Arbeit mit den Musikern unter Anleitung der Komponisten Thomas Neuhaus und Jörg Lensing, wie sie auch schon in den Produktionen “Die barocke Maskenbühne”, “NOVEMBER” und “Reden ist Silber…” praktiziert wurde.

“Die Vögel” wurden mit großem Publikumserfolg vor ca. 6000 Zuschauern in 7 Städten in 34 Aufführungen gezeigt. 1997 waren “Die Vögel” zusammen mit der Produktion “LUDUS DANIELIS” in das Land ihrer Entstehung, nach Saloniki (GR) eingeladen!
Diese Produktion stellte aber zugleich auch Höhe- und Endpunkt eines gestalterischen Weges dar, der fragmentarisch noch im Maskenspiel in der 1999er Produktion “Die Neuberin” Eingang fand.

Die Vögel in der Presse

Das 2400 Jahre alte Stück scheint dem Ensemble auf den Leib geschnitten. Nicht zuletzt deshalb, da sich die Vogelschar zur feinsinnigen Toninterpretation anbietet. Daß die Interpretation gleichzeitig den Schauspielern in Gestik und Mimik äußerstes abverlangt, wird dem Zuschauer nur selten bewußt.
Foyer, Essen

Die Truppe, die in einer Art Total-Theater, Tanz, Musik und Sprache arbeitet, gehört zu dem Innovativsten und Kreativsten, was die Region zu bieten hat. Das Theater der Klänge ist gern gesehener Gast in anderen Theatern (…) und in jedem Fall eine Bereicherung der kulturellen Szene.
Theater pur

Umjubelte Premiere: (…) so verzaubern Lensings Mimen die Zuschauer nun drei Stunden mit archaischen Trommel-Tänzen und geheimnisvollen Maskenspielen: Sie verschmelzen unmerklich und geistreich mit dem Lehrstück über die unendliche Geschichte von der Lust auf Macht. Wer allerdings eine Leidensgeschichte über Täter und Opfer erwartet, ist hier fehl am Platz. Mit gekonnt leichter Hand und komödiantischem Talent führen fünf Frauen und drei Männer sanft durch den dreistündigen Abend. (…) sprüht vor Lebensfreude und Humor, schafft Raum für Phantasie und gleitet nie in platte Derbheit ab. Doch was wäre das alles ohne die magischen Flötenklänge und Percussion? Sie illustrieren nicht, sondern charakterisieren einzelne Geschöpfe – besonders bei den Auftritten des Vogelchores. Die suggestive Kraft der tanzenden Federwesen erinnert an Welt-Theater und mythologischen Zauber (…)
Neue Rhein Zeitung

(…) was die Tänzer jetzt als Vogelchor, angeführt vom “Perservogel” Kerstin Hörner und unterstützt von drei Musikern, auf die Bretter (…) legen, ist mitreißend. Sie wirbeln, stampfen und flattern, und erzeugen so die flirrende, hoffnungsvolle Atmosphäre dieses neugegründeten Wolkenkuckucksheims besser, als Worte es je könnten. Die Geschichte stammt aus dem Jahr 414 v. Chr. und zeigt sich überraschend aktuell. (…) Mit den “Vögeln” ist dem “Theater der Klänge” ein großer Wurf geglückt…
Westdeutsche Zeitung

Es ist eine Aufführung, die vor allem den Augen und Ohren des Publikums einiges bietet. Die Masken der Schauspieler sind witzig, zuweilen grotesk überzogen. (…) Die beiden Vögel und die Athener verstehen einander nicht. Die gefiederten Freunde reden in einer aufwendig getanzten Körpersprache, die an Riten in alten Indianerfilmen erinnert. Diese Tanzeinlagen sind sehenswert… Es ist vor allem ein farbenfrohes Spektakel, daß das Theater der Klänge mit viel Engagement auf die Bühne bringt.
Rheinische Post

Ein pralles, buntes Spektakel. So soll Theater sein, daß alle Sinne angesprochen werden. Dieser Anspruch wurde eingelöst vom Düsseldorfer Theater der Klänge (…) Die Inszenierung von J.U. Lensing hat Witz und Charme und Tempo. Die Auftritte der Chorvögel beeindruckten durch Drive und unbändige Spiefreude. Das ganze Ensemble vibrierte vor Tanz und Spiellust (…) Exzellent sind die Choreographien (…) Mit einem weitgefächerten Instrumentarium wurde der aufregend-exotische Charakter der Schloßspielvorführung zusätzlich unterstrichen (…) und wahre Wunder vollbrachten in nimmermüdem Einsatz der Flötist Mathis Hagedorn (…) neben Thomas Wansing und Roland Weber, die virtuos mit Percussion, Hackbrett, Psalter, Santouri und Saz die permanent entfesselte Vogelwelt illustrierten…
Rhein Neckar Zeitung

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