Figur und Klang im Raum

Konzept & Inszenierung: J.U. Lensing  ·  Musik & Klangtechnik: Thomas Neuhaus

Jahr & Rahmen

1993 · Tournee bis 1998

Koproduktion mit dem Bauhaus Dessau

Spielstätte

Bauhaus Dessau

Theaterhaus Düsseldorf u.a.

Format

Intermediales Theater

Bauhaus-Forschungsprojekt

Über die Produktion

„man sei so unvoreingenommen wie möglich; man nähere sich den dingen, als wäre eben erst die welt erschaffen worden … man sei einfach, nicht dürftig … man sei nicht sentimental, aber man habe statt dessen geist. damit ist alles und nichts gesagt!“

— Oskar Schlemmer, Bauhaus Dessau

Die Frage, die Oskar Schlemmer am Bauhaus nicht beantworten konnte, war schlicht diese: Was geschieht, wenn der Klang nicht bloß Begleitung ist, sondern Struktur – ein gleichberechtigtes Theaterelement neben Licht, Farbe und Bewegung? Schlemmer hatte in Dessau von 1925 bis 1928 eine „Grammatik der formalen Bühnenelemente“ entwickelt und in mehreren „kleinen Bauhaus-Tänzen“ erprobt, aber er fand zu seiner Zeit keinen kooperierenden Komponisten, der seine Theaterversuche auf der Klangseite weitergedacht hätte. Siebzig Jahre später, 1992/93, übernahm das Theater der Klänge diesen offenen Faden.

„Figur und Klang im Raum“ ist kein Rekonstruktionsversuch. Es ist eine Antwort – mit den Mitteln von 1993. Der Komponist Thomas Neuhaus hatte eine prototypische elektronische Installation entwickelt: Mikrofone, Lichtschranken, Ultraschallsensoren, verbunden mit einem Echtzeit-Kontrollsystem. Die Darsteller steuerten damit Musik und Licht unmittelbar durch das, was sie taten – Bewegung, Stimme, Körper im Raum. Die Technik hörte zu. Was sie zurückgab, war Klang.

Sieben Darsteller auf einem geometrisch bemalten Tanzboden, schwarz-weiße Trikots, Hüftgurte in den Bauhaus-Primärfarben blau, rot, gelb, später vollfarbige Figurinentrikots in den Grundfarben. Eine Stimme, die sich von ihrer Quelle ablöst und durch den Raum wandert. Figuren, die zwischen Maschinenbewegung und lebendigem Ausdruck pendeln – bis beides nicht mehr zu trennen ist. „Polyphone szenische Bühnenkomposition“ nannte der Regisseur und Choreograph J.U. Lensing diesen Ansatz: Licht, Klang, Bewegung und Farbe werden als kompositorische Parameter behandelt; erst ihr Zusammenspiel erzeugt das Theaterereignis in der Zeit. Was auf der Bühne entstand, ließ sich weder als Tanz noch als Theater noch als Konzert eindeutig benennen. Das war Absicht.

Die Produktion hatte ihre Uraufführung am 25. März 1993 im Bauhaus Dessau – am Ort, auf den sie sich bezog. 32 Aufführungen in acht Städten im In- und Ausland folgten, darunter Gastspiele in Belgien, Frankreich und Israel als Doppelprogramm „Tanz am Bauhaus“ (1994–1998). Das hier begonnene Nachdenken über das Verhältnis von Technik und Darsteller, Klang und Raum mündete zwei Jahrzehnte lang in neue Produktionen – von „Megalopolis“ über „Modul|a|t|o|r“ bis zu den „HOEReographien“ und weiter vollendend in die „SUITE intermediale“ und die angewandten Spielformen „Das Lackballett“ und zuletzt „Mensch und Kunstfigur im Kugeltheater“.


Gefördert durch: Bauhaus Dessau, Stadt Düsseldorf, Land NRW / Theaterreferat des Kultusministers, Stiftung van Meeteren

Hard- und Softwareunterstützung durch das ICEM der Folkwang Hochschule Essen

Mitwirkende

Konzept & Inszenierung
J.U. Lensing

Musik & Klangtechnik
Thomas Neuhaus

Lichtgestaltung
Jürgen Steger · J.U. Lensing

Dramaturgie
Dr. Andreas Bossmann

Bühnenbild
Jürgen Steger

Kostüme
Kerstin Uebachs · C. di Fiore

Lichttechnik
Kai Mönnich · Sascha Hardt

Darsteller

Clemente Fernandez
Jacqueline Fischer
Jean-Jacques Haari
Kerstin Hörner
Maria-Jesus Lorrio
Heiko Seidel
Ismini Sofou

Regieassistenz: Monic Wollschläger
Fotos: Sascha Hardt

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