ICH IST EIN ANDERER
Ein Tanztheaterabend
Konzeption & Sound/Video: J.U. Lensing · Choreografie: Jacqueline Fischer
Jahr & Rahmen
2008
Uraufführung · Koproduktion FFT Düsseldorf
Spielstätte
Forum Freies Theater – Juta
Düsseldorf
Dauer
90 Minuten
ohne Pause
Über die Produktion
Es denkt mich.
1871 schrieb Arthur Rimbaud, neunzehnjährig und für die Lyrik bereits fertig, einen Brief an seinen Lehrer. Eine Zeile daraus wurde früh als Kennzeichen der Moderne verstanden — als Zeichen der Schwierigkeit, das sogenannte „Ich“ weiterhin zur Grundlage des Erzählens zu machen. Das Theater der Klänge nimmt sie beim Wort.
»Es ist falsch, wenn einer sagt: Ich denke. Man soll sagen: Es denkt mich. Ich ist ein anderer. Schlimm genug für das Holz, das als Geige erwacht, und Spott allen, die sich selber nicht kennen und doch über etwas klügeln, wovon sie das geringste wissen.«
Rimbaud · Brief an Georges Izambard, 1871
Ausgehend von diesem Zitat kommen vier Tänzer — als Persönlichkeits-Prototypen — immer wieder auf dieses Thema zurück, umkreisen es spielend und tanzend in immer neuen Anläufen. Dabei geht es bei diesem „Schau-Spiel“ nicht nur um die Kunst der Veränderung des Körpers, des Habitus, der Stimme. Rollende Spiegelinstallationen, Fotomasken, digitale Morphings: aus Alt wird Jung, aus Mann wird Frau. Eine neue Identität per Mausklick. Bedarf es überhaupt des großen Aufwands an Maske und Kostüm — oder reichen wenige ikonografische Kostümteile, das Gesicht, die Stimme, der verformbare Körper?
Ist soziale Einordnung, Status, Reichtum, Armut, Macht, Hilflosigkeit „genetisch“ bestimmt — oder unterliegt das der Modellierung des eigenen Ichs? Was definiert den Einzelnen und wodurch? Gerade heute, wo Soft-Skills-Seminare aufwändig an Darstellungsformen von Berufsbewerbern und Karrieristen feilen, stellt sich die Frage nach dem Auftreten, der Wirkung, der Ausstrahlung des eigenen Ichs früh und immer wieder. Berufs-Ich? Sozial-Ich? Nichts ist in unserer Zeit so wichtig wie der schöne Schein. Und nichts so schwierig wie die Antwort dahinter.
Der formale Rahmen: ein Fünf-Personen-Stück in fließend wechselnden Besetzungen, Soli bis Quartette, komödiantische Szenen, eigens komponierte Livemusik. Die drei Musiker bewegen sich mit Akkordeon, Harmonium, Violoncello, Djoze und Violine musikalisch zwischen Tango und sphärischen Klängen — ein Klangraum, der kein Stilgesetz kennt.
„Ich ist ein Anderer“ ist auf der darstellerischen wie auf der medialen Ebene der Spiegel dessen, was sich überall an Selbstinszenierung und gesellschaftlichen Rollenspielen abspielt. Ein Abend ohne Antworten. Mit vielen Fragen.
Förderung: Kulturamt der Landeshauptstadt Düsseldorf · Kunststiftung NRW · In Zusammenarbeit mit dem FFT Düsseldorf
Mitwirkende
Choreografie
Jacqueline Fischer
Konzeption, Sound & Video
J.U. Lensing
Musik-Komposition
Michael Sapp
Lichtdesign
Jeannot Bessière
Bühnenbild
Simona Lotti
Kostüme
Margit Koch
Produktionsassistenz
Miriam Raether
Darsteller
Jose Fernando Andrade-Lopez
Catalina Gomez
Francesco Pedone
Hana Zanin
Moderator: J.U. Lensing
Musiker
Michael Sapp
Akkordeon, Harmonium, Esraj, E-Gitarre
Donja Djember
Violoncello
Bassem Hawar
Djoze, Violine
Fotos: Oliver Eltinger
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