DIE KUNST DER
TANZ-FUGE
Konzeption & Regie: J.U. Lensing · Choreografie: Jacqueline Fischer
Jahr & Rahmen
2016/17
Im Rahmen des ido-Orgel Festivals Düsseldorf
Spielstätte
Thomaskirche Düsseldorf
Düsseldorf-Mörsenbroich
Format
Tanztheater
Tanz · Live-Orgel · Elektronische Musik
Über die Produktion
Johann Sebastian Bach veröffentlichte 1751 sein letztes Werk: „Die Kunst der Fuge“. Kontrapunkt für vier Stimmen – streng, unerbïttlich, vollkommen. Was damals als rückwärtsgewandt galt, als altmodisches Handwerk, das die empfindsame Frühklassik längst hinter sich gelassen hatte, erwies sich in der Folgezeit hinweg als das Gegenteil: als Modell. Für die Romantiker und vor allem für die Moderne, für jeden, der verstehen wollte, wie aus individuellem Einzelklang ein Kollektiv entsteht, ohne dass das Individuum dabei verschwindet. Bach wird mit Recht auch der Shakespeare der Musik genannt.
Uns hat nie interessiert, Musik zu »vertanzen«. Das Vertanzen kennt man: die Tänzer illustrieren, was die Noten vorgeben, Crescendo wird zur Hebefigur, Pause zur Erstarrung. Das Ergebnis ist illustrative Bebilderung – der Musik und dem Tanz gleichermaßen fremd. Was uns bei der Beschäftigung mit Bachs »Kunst der Fuge« interessierte, war etwas anderes: die kontrapunktischen Techniken selbst als choreografisches Verfahren anzuwenden. Kanon, Umkehrung, Engführung, Dux und Comes, Thema und Kontrasubjekt – nicht als Metapher, sondern als Bewegungsstruktur.
Vier Körper. Zwei Frauen, zwei Männer. Das ist eine vierstimmige Besetzung Bachs, übertragen in Fleisch und Bewegung. Die Stimmen sind nicht austauschbar, sie haben Eigengewicht – Soli, Duette, Terzette, und der volle vierstimmige Satz: das Quartett als Kollektiv. Wer trägt, wer führt, wer folgt, wer widerspricht – das sind keine choreografischen Entscheidungen, das sind Aussagen über das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft. Die Fuge beantwortet diese Frage nicht. Sie hält sie in Bewegung.
Der Abend ist dreiteilig. Er beginnt im Schweigen der Musik: nur Bewegungsgeräusche, Atemzüge, das Quietschen der Schuhsohlen auf dem Boden. Klang als Nebenprodukt des Körpers. Dann: elektronische Komposition, aus den Rhythmen Bachs herausdestilliert. Schließlich übernimmt die Orgel das Bach´sche Wort – live, in einem eigentlich sakralen Raum, der trotzdem nichts romantisiert und nichts verspricht außer Akustik und Konzentration auf konsequent in Bewegungen umgesetzten Kontrapunkt. Der Tanz fügt dem Klang einen viekörperlichen Kontrapunkt hinzu. Oder: der Klang spielt kontrapunktisch mit den sich ebenfalls kontrapunktisch zueinander verhaltenden Tänzerkörpern.
Gefördert durch das Kulturamt der Landeshauptstadt Düsseldorf, das Land Nordrhein-Westfalen und den Förderverein Klangtheater e.V. In Zusammenarbeit mit dem Internationalen Düsseldorfer Orgelfestival (ido).
Besetzung
Konzeption & Gesamtleitung
J.U. Lensing & Jacqueline Fischer
Choreografie
Jacqueline Fischer & J.U. Lensing
Musik
J.U. Lensing & Johann Sebastian Bach
Orgel
Wolfgang Baumgratz
in der Rochuskirche Köln:
Iris Rieg
Lichtdesign
Markus Schramma
Kostüme
Caterina Di Fiore
Szenografie
J.U. Lensing
Tanz
Phaedra Pisimisi
Camila Scholtbach
Tim Cecatka
Tuan Ly
Künstlerisches Betriebsbüro: Karola Athmer
Fotograf: Oliver Eltinger
Die Kunst der Tanz-Fuge – Pressespiegel
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