LUDUS DANIELIS
Ein mittelalterliches Mysterienspiel
Mittelalterliches Musiktheater · ESTAMPIE · Theater der Klänge
URAUFFÜHRUNG
28. Dezember 1994
Kreuzherrenkirche Düsseldorf
SPIELSTÄTTEN
9 Städte
Kirchen im In- und Ausland, 1994–1997
AUFFÜHRUNGEN
27 Aufführungen
ca. 7.000 Zuschauer
EINE KOPRODUKTION DES THEATERS DER KLÄNGE MIT ESTAMPIE MÜNCHEN
„Den Sternenlenker und allmächtigen Gott preisen alle Männer und Knaben, als sie hören, was der glaubensstarke Daniel zu erdulden hatte, ohne daß er schwankend wurde.“
aus dem Originalskript, Beauvais 1230
Im Mittelalter fand die Wiedergeburt des Theaters in Europa in den Kirchen statt. Aus dem Wunsch heraus, biblische Themen bildhaft und bewegt darzustellen, wurden zu verschiedenen Mysterien Spiele komponiert, die den Bibeltext zunächst musikalisierten, um dann am gesungenen Text entlang die Handlung nachzuspielen. Das Ludus Danielis nimmt unter den musikalischen Schöpfungen des Mittelalters eine besondere Rolle ein: Es ist nicht weniger als der erste Versuch seit der Antike, Schauspiel und Musik zu verschmelzen — die Erfindung der Oper in der mittelalterlichen Welt.
Das Theater der Klänge erarbeitete die Inszenierung zu der Musik des Ensembles ESTAMPIE, die auf einem Originalskript aus dem Jahr 1230 basiert, geschrieben von Mönchen des Klosters Beauvais. ESTAMPIE hatte den Hauptrollen bestimmte Instrumente zugeordnet; diese Instrumente liefern auch den Rhythmus für den Tanz.
Das Theater der Klänge konzentrierte sich auf ein Kirchenraumspiel, das den gesungenen Text in tänzerisch-schauspielerische Form übersetzt. Aufgrund der thematischen Nähe zum Orient — Babylonien und Persien um 600 v. Chr. — ließ sich das Ensemble von indischen Tanzdramaformen inspirieren. Zugleich wurde die mittelalterliche Figur der Spielleute einbezogen: Diese Komödianten erscheinen zwischen den Akten, kommentieren, parodieren, stellen das Spiel in Frage.
Die Inszenierung war zur Jahreswende 1994/95 ein großer Publikumserfolg in der Düsseldorfer Kreuzherrenkirche. 1997 war das Stück gemeinsam mit Die Vögel in der Kulturhauptstadt Saloniki eingeladen. Die Zusammenarbeit mit ESTAMPIE setzte sich 2004 in Gregorius auf dem Stein fort — und mündete 2012 in den gleichnamigen Spielfilm.
Indischer Tanzdramatik, mittelalterliche Musik und die Spielfreude fahrender Komödianten — das Ludus Danielis des Theaters der Klänge war ein Stück abendländischer Musik- und Theatergeschichte, lebendig und prall mit Leben gefüllt.
KÜNSTLERISCHES TEAM
Bearbeitung: Michael Popp
Inszenierung: Jörg U. Lensing
Dramaturgische Beratung: Dr. Andreas Bossmann
Choreografische Beratung: Nirupama Nityanandan
Bühnenbild: Zahra Ritz-Rahman
Kostüme: Caterina Di Fiore
Lichtgestaltung: Jörg U. Lensing
Künstlerisches Betriebsbüro: Dorothea Verheyen
Fotos: Barbara Bechtloff
ESTAMPIE
Ud, Flöte, Schalmei, Fiedel, Tanbur, Gesang: Michael Popp
Percussion, Santouri, Gesang: Johann Bengen
Harfe, Gesang: Marie-Catherine Melnitzky
Gesang (Belsazar / Darius): Tobias Pfülb
Gesang: Gerlinde Sämann
Schlagwerk: Hannes Schanderl
Fiedel, Schalmei, Gesang (Daniel): Tobias Schlierf
Portativ, Drehleier, Organistrum, Glocken: Ernst Schwindl
Gesang (Königin / Engel): Syrah
THEATER DER KLÄNGE
Barbara Becker, Kai Bettermann
Clemente Fernandez, Jacqueline Fischer
Kerstin Hörner, Maria-Jesus Lorrio
Francesco Russo, Tilmann Schillinger
Thomas Wansing
LUDUS DANIELIS
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