Ludus Danielis

Ein mittelalterliches Mysterienspiel

Den Sternenlenker und allmachtigen Gott preisen alle Männer und Knaben, als sie hören, was der glaubensstarke Daniel zu erdulden und zu erleiden hatte, ohne daß er schwankend wurde..

Das Ensemble

Eine Koproduktion des Theaters der Klänge mit dem Musikensemble ESTAMPIE aus München
Besetzung der Uraufführung am 28. Dezember 1994 in der Kreuzherrenkirche Düsseldorf
Bearbeitung: Michael Popp
Inszenierung: Jörg U. Lensing
Dramaturgische Beratung: Dr. Andreas Bossmann
Choreografische Beratung: Nirupama Nityanandan
Bühnenbild: Zahra Ritz-Rahman
Kostüme: Caterina Di Fiore
Kostümassistenz: Stefanie Richter
Musikalische Konzeption: Michael Popp /ESTAMPIE
Lichtgestaltung: Jörg U. Lensing
Theater- und Projektleitung: Jörg U. Lensing
Künstlerisches Betriebsbüro: Dorothea Verheyen
Plakat- und Programmheftgestaltung: Ernst Merheim / Erne Kis
Fotos: Barbara Bechtloff
ESTAMPIE: Die Musiker und ihre Instrumente:
Percussion, Santouri, Gesang: Johann Bengen
Harfe, Gesang: Marie-Catherine Melnitzky
Gesang (Belsazar / Darius): Tobias Pfülb
Ud, Flöte, Schalmei, Fiedel, Tanbur, Gesang: Michael Popp
Gesang: Gerlinde Sämann
Schlagwerk: Hannes Schanderl
Fiedel, Schalmei, Gesang (Daniel): Tobias Schlierf
Portativ, Drehleier, Organistrum, Glocken, Gesang: Ernst Schwindl
Gesang (Königin / Engel): Syrah
Theater der Klänge: Die Darsteller und ihre Rollen:
Palasttänzerin, Spielfrau, Habakuk: Barbara Becker
Dottore, Darius: Kai Bettermann
Praecursor, Daniel: Clemente Fernandez
Gelehrter, babylonische Königin, Zigeunerin: Jacqueline Fischer
Palasttänzerin, Hofdame: Kerstin Hörner
Gelehrter, Hofdame: Maria-Jesus Lorrio
Belsazar, Spielmann: Francesco Russo
babylonischer Fürst, persischer Fürst: Tilmann Schillinger
babylonischer Fürst, persischer Fürst: Thomas Wansing

Über die Produktion

“Ein mittelalterliches Mysterienspiel” ist der Titel einer Musiktheaterproduktion aus dem Jahr 1994/95, welche aufgrund eines Vorschlags des Komponisten Michael Popp zustande kam. Das Theater der Klänge erarbeitete die Inszenierung LUDUS DANIELIS zu der Musik des Ensembles ESTAMPIE, welche wiederum auf einem Originalskript aus dem Jahr 1230, geschrieben von Mönchen des Klosters Beauvais (F) zurückging, welche damals vermutlich jedes Jahr zum Neujahrsfest aufgeführt wurde.

Im Mittelalter fand die Wiedergeburt des Theaters in Europa in den Kirchen statt. Aus dem Wunsch heraus, biblische Themen bildhaft und bewegt darzustellen, wurden zu verschiedenen testamentarischen Mysterien Spiele komponiert, die den Bibeltext zunächst musikalisierten, um dann am gesungenen Text entlang die jeweilige Handlung nachzuspielen. Das LUDUS DANIELIS nimmt unter den musikalischen Schöpfungen des Mittelalters eine ganz besondere Rolle ein. Es stellt in vielerlei Hinsicht das interessanteste Beispiel einer Musikgattung dar, die damals Bezeichnungen wie ordo, ludus, versus, historia oder miraculum führten. Es handelte sich dabei um nicht weniger als den ersten Versuch seit der Antike, Schauspiel und Musik zu verschmelzen – sozusagen die Erfindung der Oper in der mittelalterlichen Welt.

Das ganze Spektrum der einstimmigen Musik des Mittelalters findet Verwendung, gregorianische Melodien, volksliedartige Lieder, rhythmisch-tänzerische Instrumentalmusik, sowie schlichte Rezitative, die die Handlung weiterführen. ESTAMPIE, ein auf alte Musik spezialisiertes Musikerensemble aus München, hat in Anlehnung an die mittelalterliche musikalische Musikauffassung den Hauptrollen bestimmte Instrumente zugeordnet, die auch den Rhythmus für den Tanz liefern.

Im Unterschied zu der damals üblichen, sehr aufwendigen Aufführungspraxis hat sich das Theater der Klänge auf ein Kirchenraumspiel konzentriert, das den gesungenen Text in tänzerisch-schauspielerische Form übersetzt. Aufgrund der thematischen Nähe zum Orient (Babylonien, Persien ca. 600 v. Chr.) ließ sich das Theater der Klänge dabei von indischen Tanzdramaformen inspirieren. Um den Stoff aber nicht nur bibeltreu und ernst zur Aufführung zu bringen, wurde die mittelalterliche Form der Spielleute in das LUDUS DANIELIS miteinbezogen. Diese Komödianten erscheinen zwischen jedem (Tanz- und Musik-) Akt, um auf ihre sehr weltliche Weise das Spiel zu kommentieren, zu parodieren, oder gar in Frage zu stellen.

Die Inszenierung des Theaters der Klänge in Zusammenarbeit mit dem Ensemble ESTAMPIE war zur Jahreswende 1994/95 ein großer Publikumserfolg in der Düsseldorfer Kreuzherrenkirche. Seitdem gastierte das Stück in neun Orten (meistens Kirchen) in 27 Aufführungen vor ca. 7000 Zuschauern mit großem Erfolg. Zusammen mit Produktion “Die Vögel” war “LUDUS DANIELIS” 1997 in die “Kulturhauptstadt Saloniki” eingeladen. Gleichzeitig bildete die erste Beschäftigung mit außereuropäischem Tanz die Grundlage für die Erarbeitung der Tänze in der Folgeproduktion “Die Vögel”.

Die Zusammenarbeit mit ESTAMPIE setzte sich 2004 in der Produktion “Gregorius auf dem Stein” fort und mündete unlängst in den gleichnamigen Spielfilm, ebenfalls mit der Filmmusik von ESTAMPIE und Thomas Neuhaus.

Ludus Danielis in der Presse

Inspiriert von Michael Popps Ensemble für frühe Musik “ESTAMPIE”, schuf Jörg Lensing einen aufregenden Fünfteiler, in dem sich indischer Tanz, orientalische Klänge und gregorianische Gesänge kunstvoll vermengen. Gespielt wird auf einer Bühne – dort, wo sonst der Altar steht. Gehüllt in schwelgende Schleier und Samtkostüme die geschmeidig stilisierten Tänzer, verkleidet als fahrende Spielleute die anderen. (…) Geheimnisvolle Handzeichen und Gesten, die extrem stilisierten Tempeltanz-Folgen, berauschendes Schlagwerk und zirpende Seiteninstrumente – all das erinnert an großes Welttheater.
Neue Rhein Zeitung

(…) verbinden sich die Formen zu fesselndem Theater, das mit Musik und Tanz, mit Gesang und Mudras die Geschichte zu erzählen vermag.
Westdeutsche Zeitung

Man stelle sich altägyptische Wandzeichnungen und Hiroglyphen vor – plötzlich beginnen sie zu atmen, Figuren aus dem alten Babylonien steigen aus ihren Bildern. (…) Ohne Sprache, aber vermittelt über exotisch anmutende, überaus faszinierende Gesten, deren präzise Eleganz sich geradezu ins Bewußtsein einschneidet. Und einer höchst fremdartigen, fast puppenstarren, ruckartigen Mimik, die gleichermaßen einschüchternd, wie fesselnd wirkt.
Überblick

Ein faszinierendes, theatralisches Erlebnis: Als Ritual in fünf Szenen geht das Drama über die Bühne – einem hölzernen Podest nach Art mittelalterlicher Wandertruppen mit Rückprospekt, der den Hergang als Fresko in Einzelbildern wie ein Comic erzählt und die stampfenden Tanzbewegungen der barfüßigen Darsteller wie Kastagnetten den spanischen Flamenco effektvoll unterstreicht.
Welt am Sonntag

…ein Stück, das überquillt vor prallem Leben…, ein fast achthundert Jahre altes Werk, das drohte vergessen zu werden, hat man frisch und fantasievoll in Szene gesetzt…
Neue Ruhr Zeitung

…faszinieren die Darsteller mit einem Tanzspiel, das in die vorchristliche Welt Babyloniens entführte. In farbenprächtigen, detailgetreuen Kostümen riefen sie alte Geister herbei und ließen das Publikum mal zittern, mal staunen und vor allem an Wunder glauben. Das außergewöhnliche Schauspiel forderte Phantasie und Aufmerksamkeit beim Publikum…
Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Ein Stück abendländischer Musik- und Theatergeschichte durfte hier wiederauferstehen – lebendig und prall mit Leben gefüllt, farbenprächtig und schaurigschön, dramatisch und komödiantisch, überquellend von der derben Gebärdensprache und Bewegungsfreudigkeit der Tänzer, von der marktschreierischen und volkstümlichen Erzählkunst der Sprecher.
Ballett International

…erwies sich als eine der besten “Ide(e)n des März”. Im Vergleich mit dem heutigen Stand von technisch überzüchtetem epigonalen (Tanz-)Theater war diese schlichte Ur-Oper eine Wohltat. (…) Vor allem fügen sich exotisierte Körpersprache und mittelalterliche Musik zu einem geschlossenen Ganzen.
Münchner Merkur

…das klingt sehr archaisch und entwickelt zunehmend einen mirakulösen Sog… Das besondere an dieser Aufführung ist das kontemplative Zusammenwirken von Tönen und Tanz. …ihre streng ritualisierte Körpersprache orientiert sich, soweit erkennbar, an keinem klassischen Formenrepertoire… So entsteht am Ende nicht nur ein sehens- und hörenswertes, sondern auch ein lustiges und sinnliches Gesamtkunstwerk.
Süddeutsche Zeitung

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