WEST-LAND-TÄNZE

Ein Tanztheaterabend mit anschließendem Bal modern

Volkstanz  ·  Zeitgenössischer Tanz  ·  Theater der Klänge

URAUFFÜHRUNG

11. Januar 2024

FFT Düsseldorf

CHOREOGRAFIE

Jacqueline Fischer

in Zusammenarbeit mit dem Ensemble

MUSIK

J.U. Lensing u.a.

nach überlieferten Tanzmelodien

EINE PRODUKTION DES THEATER DER KLÄNGE

Haben Sie schon mal von Tänzen wie Maike, Neue Spindel oder Kleiner Düsseldorfer gehört? Alles Tänze, die hier früher mal getanzt wurden. Also, was tanzen wir? Und: wer tanzt überhaupt miteinander?

J.U. Lensing 2024


Kleiner Düsseldorfer, Siebensprung, Spindel, Herr Schmidt – so heißen Volkstänze, die einst in dieser Region zu jedem Fest gehörten. Heute kennt sie kaum jemand mehr. In Westdeutschland, und besonders in NRW, gilt es bis heute als fast verpönt, sich damit ernsthaft auseinanderzusetzen; im süd- und mitteldeutschen Raum hingegen pflegen Tanzensembles und Festivals dieses Kulturerbe ungebrochen. Was fehlt, ist nicht das Erbe – sondern der Mut, es anzufassen.

Das THEATER DER KLÄNGE begab sich 2023 auf Spurensuche. Regisseur und Komponist J.U. Lensing wollte dabei nicht in die Ferne schweifen: Die Tänze mussten praktisch vor der Haustür liegen. Nach Kontakt zu Volkskultur-Expertinnen und Heimatvereinen, nach Archivarbeit im Tanzarchiv Köln, Workshops in der Tonhalle und dem Durchhören ungezählter Tonträger nahm West-Land-Tänze in der zweiten Jahreshälfte 2023 Gestalt an. Choreografin Jacqueline Fischer und die Tänzerinnen und Tänzer brachten eigene Ideen ein; das historische Material wurde nicht museal behandelt, sondern durch Gebrauch weiterentwickelt – so wie Volkstanz immer funktioniert hat.

Das Stück stellte die Frage nach Identität direkt und ohne Umschweife: „Wer seine Kultur verliert, verliert sich selbst“, formulierte ein Ensemblemitglied während der Premiere im FFT. Volkstanz ist eben nicht Folklore-Dekoration. Er funktioniert nur kollektiv: Man fasst sich an, legt den Arm auf die Schulter des anderen, dreht sich gemeinsam. „Allein zu tanzen macht einsam“ – das ist keine Metapher, das ist die physische Grundbedingung dieser Kunstform. Das Ensemble bewegte sich denn auch konsequent als Paar oder Gruppe über die Bühne, mal im stillen Dialog, mal als Zwilling, der die Bewegungen des Gegenübers spiegelt.

Die Musik nahm den gleichen Weg: Christiane Meis am Akkordeon, Jens Barabasch an der Flöte und Jörg Lensing an der Live-Elektronik spielten live, auf der Grundlage überlieferter Tanzmelodien, die das Ensemble zuvor recherchiert und neu arrangiert hatte. Der Abend begann lautlos – nur Bewegung, noch kein Rhythmus. Erst nach einer Weile gesellte sich Klang dazu. Das war kein dramaturgischer Trick, sondern eine Aussage: Bewegung ist älter als die Notenschrift, die sie beschreibt.

Nach der Vorstellung lud das THEATER DER KLÄNGE das Publikum zum Bal modern ins Foyer. Die Künstlerinnen und Künstler mischten sich unter die Besucher und tanzten mit – kein Vorführen, sondern gemeinsames Tun. Wer die Schritte nicht kannte, schaute sie sich ab. So einfach kann kulturelles Erbe funktionieren, wenn man aufhört, es hinter Glas zu stellen.

ENSEMBLE

Künstlerische Leitung / Szenografie / Texte: J.U. Lensing
Choreografie: Jacqueline Fischer
(in Zusammenarbeit mit dem Ensemble)
zeitw. Assistenzen: Sara Pena Cagigas & Darwin Diaz

TÄNZERINNEN UND TÄNZER

Miriam Arnold, William Lundberg, Francesca Merolla, Julia Monschau, Christian Paul, Lara Pilloni, Mariane Verbecq, Linda Withelm
Gasttänzer: Frederik Brune

MUSIK

J.U. Lensing, Jens Barabasch, Christiane Meis
(auf der Grundlage überlieferter Tanzmelodien)
Elektronik + Percussion: J.U. Lensing
Holzblasinstrumente: Jens Barabasch
Akkordeon: Christiane Meis

AUSSTATTUNG & PRODUKTION

Kostüme: Caterina Di Fiore
Lichtdesign: Markus Schramma
Produktionsleitung: J.U. Lensing
Künstlerisches Betriebsbüro: Julia Roth
Drucksachengestaltung: Ernst Merheim
Fotos: Johann Lensing & Michael Zerban (O-Ton)

Das Düsseldorfer THEATER DER KLÄNGE – schon immer kreativ an Fragen des kulturellen Erbes interessiert – leistete mit der Tanzproduktion West-Land-Tänze, aber auch mit begleitenden Aktionen wie der Veröffentlichung eines E-Books zur Premiere zu diesem Thema und der Durchführung der „Bal modern“-Veranstaltungen für das Publikum nach den Aufführungen, einen aktuellen Beitrag zur Beschäftigung mit diesem kulturellen Erbe.

Das E-Book ist abrufbar unter: West-Land-Tänze →

West-Land-Tänze in der Presse

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