DIE BAROCKE MASKENBÜHNE

nach Ideen aus „Die neue und curieuse, theatralische Tantz-Schul“ von Gregorio Lambranzi (1716)

Inszenierung & Choreografie: J.U. Lensing

Jahr & Rahmen

1989

Uraufführung 6. April 1989

Spielstätte

Malkasten

Düsseldorf

Format

Musik- und Tanztheater

Commedia dell’Arte

Über die Produktion

„Ein Abrakadabra von Erhabenem, ironisch umzirkelt, Komischem und Groteskem – es wäre nicht unverdient, daß dieses seriöse Versuchstheater an Breitenwirkung gewinnt.“

— Opernwelt

1988 wandten wir uns nach dem Gründungsauftakt mit der Mechanischen Bauhausbühne – unserer ersten Auseinandersetzung mit dem Theater der 1920er Jahre – einer älteren, vorbürgerlichen Theaterform zu: dem barocken Musik- und Tanztheater. Die Frage, die uns leitete, war dieselbe wie schon beim Bauhaus: Was bleibt vom Theater, wenn man es vom gesprochenen Wort löst? Was können Körper, Klang und Raum allein erzählen? Das überlieferte Kompendium „Die neue und curieuse theatralische Tantz-Schul“ des italienischen Tanzmeisters Gregorio Lambranzi aus dem Jahr 1716 gab darauf eine Antwort. In hundert Kupferstichen entwirft Lambranzi einen szenischen Katalog der Stände-, Berufs- und Theatertypen seiner Zeit – höfische Tänzer neben Commedia-dell’Arte-Figuren, Marktschreier neben Kavalieren. Was er beschreibt, ist eine Zeit, in der die Trennung von Musik, Tanz und Schauspiel noch nicht vollzogen war: Theater als totale Körpersprache, in der das gesprochene Wort das Überflüssige ist.

Von diesen Stichen und der damit verbundenen barocken Ästhetik inspiriert ließ das Theater der Klänge die Tänzer- und Komödiantentruppe Lambranzis wieder auferstehen – in einer Folge von vierundzwanzig Szenen, die höfisch-barocke Tänze, Volkstänze, Tanzparodien, Maskenspiel und die Figur des Tanzmeisters Lambranzi selbst zu einem Sittengemälde des spätbarocken Theaters verdichtete. Die halboffene Wanderbühnenkonstruktion mit Kerzenlicht, die opulenten Kostüme, die Commedia-Masken und eine eigens neu komponierte Theater- und Tanzmusik ergaben ein Gesamtkunstwerk, das keine Rekonstruktion war – sondern ein zeitgenössisches Theaterstück auf dem Fundament einer verschütteten Tradition.

Die barocke Maskenbühne erlebte seit der Uraufführung am 6. April 1989 im Malkasten Düsseldorf insgesamt fünf verschiedene Fassungen. Jedes neu zusammengesetzte Ensemble improvisierte mit den überlieferten Materialien, Figuren, Lazzi und Tänzen – so entstand aus jeder Arbeitsphase eine neue Fassung auf demselben ästhetischen Fundament. 1993 reiste eine Straßentheaterfassung zum Festival d’Avignon. Insgesamt 55 Aufführungen an sieben Spielorten sahen rund 10.000 Zuschauer. Die mehr als zehnjährige Maskenarbeit – von 1988 bis 1999 fester Bestandteil des Ensembletrainings – mündete 1994 in die Eigenkreation Reden ist Silber… und 1999 in die Figur des Harlekin in Die Neuberin.


Gefördert durch: Stadt Düsseldorf, Land Nordrhein-Westfalen, Institut Français Düsseldorf

Besetzung

Inszenierung & Choreografie

Jörg U. Lensing

Choreografie höfische Tänze

Deda Colonna

Bühnenbuch

Ensemble des Theater der Klänge
J.U. Lensing

Musik – Höfische Tanzmusiken

Hanno Spelsberg (Urauff.)
J.U. Lensing · Thomas Neuhaus (spätere Fassungen)

Musik – Spielmannsmusik

Peter Arnolds
Axel Heinrich
Johannes Leis
Hanno Spelsberg

Kostüme

Janina Mackowski (Entwurf)
Birgit Kerstein · Janina Mackowski (Anfertigung)

Bühne

Jürgen Steger
Stefan von Borstel
Martin Wolff

Masken

J.U. Lensing (Entwurf)
Josef Ermes · J.U. Lensing (Bau)

Licht

Sascha Hardt

Künstlerisches Betriebsbüro: Jörg Balschun · J.U. Lensing

Die barocke Maskenbühne – Pressespiegel

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