HOEReographien

man gehe vom körperlichen zustand aus, vom dasein, vom stehen, vom gehen und zu guter letzt vom springen und tanzen. denn einen schritt zu tun ist ein gewaltiges ereignis, eine hand zu heben, einen finger zu bewegen ein nicht minderes. man habe ebensoviel scheu als achtung vor jeglicher aktion des menschenkörpers, zumal auf der bühne, dieser sonderwelt des lebens, des scheins, dieser zweiten wirklichkeit, in der alles vom glanz des magischen umwittert ist…

Oskar Schlemmer

Das Ensemble

Projektleitung: J.U.Lensing
Choreografische Arbeit: Jacqueline Fischer
Musik/Ton: Thomas Neuhaus
Videoberatung: Christian Ziegler
Video: Thomas Neuhaus, J.U.Lensing, Lucy Lungley
Tanz: Jenny Ecke, Jelena Ivanovic, Caitlin Smith, Hana Zanin
Lichtdesign: Christian Schroeder
Ton- Videotechnik: Thomas Neuhaus, J.U.Lensing
Kostüme: Caterina Di Fiore
Bühnenbild: J.U.Lensing, Christian Schroeder
Künstlerisches Betriebsbüro: Petra Weiß, Andreas Martin, Jenny Eickhoff
Fotos: Oliver Eltinger
Drucksachengestaltung: Ernst Merheim

Über die Produktion

Das Infragestellen der klassischen Abhängigkeit des Tanzes von der Musik ist Ausgangspunkt des Projektes „HOEReographien“. Inwiefern können Bewegungen, Bewegungslinien im Raum hörbar werden? Was, wenn Musik sich aus Bewegung ergibt und was weiter, wenn in diesem Zusammenhang Musiker mit Tänzern interagieren? Was ferner, wenn der Tänzerkörper auf der Bühne gefilmt und in Echtzeit zur Videoskulptur geformt wird, die wiederum mit dem Menschenkörper auf der Bühne ein bewegtes Ganzes ergibt – realer und virtueller Tanz in Echtzeit??? Wenn Musik aus Tanz-Bewegung entsteht und somit kompositorische Strukturen nicht mehr durch musikalisch kompositorische Arbeit entwickelt, fixiert und interpretiert werden, inwiefern übernimmt dann der Tänzer Kompositionsaufgaben? Welche Rückwirkungen hat das auf den Tanz??? Wie manifestieren sich musikalische Variations- und Entwicklungsformen visuell, um somit einem aus Bewegung entstandenen, zunächst amorphen Klangresultat wieder nachvollziehbare Form und Struktur zu geben? Welche Form von Licht- und Videokunst als Zeitform ergibt sich aus diesem interaktiven Miteinander.?? Und: Wie macht man diesen „neuen“ Prozess werkimmanent für ein Publikum live nachvollziehbar?

In der sensorisch, interaktiven Bühne von „HOEReographien“ ist keine Bewegung ohne Klang- und Bildkonsequenz, so dass das Tun eines Darstellers in dieser Bühne zwangsläufig zu Musik und Videobühnenbild führt. Ein Zyklus aus Einzelstücken (Soli, Duos, Trios, Quartett) in Form von Tanz zu durch den Tanz erzeugte elektronische Musik, Tanz zu zeitlich entwickelter Videoskulptur und Tanz mit Live-Musik in Form strukturierter Improvisationen, sowie Mischformen dieser Konstellationen bildet eine audio-visuelle Gesamtkomposition als „autonome“ Bühnenkunst in Anlehnung an den Begriff „Autonome Musik“.

HOEReographien ging hervor aus dem Forschungsprojekt „PCI – Performer Computer Interaction“, welches durch die FH-Dortmund finanziert wurde und die Entwicklung eines Computer-Instrumentariums ermöglichte mit dem ein komplettes interaktiv gesteuertes intermediales Tanzkonzert machbar wurde. In gewisser Hinsicht ist HOEReographien die Vollendung des Ansatzes, der mit der 1993er Produktion „Figur und Klang im Raum“ angegangen wurde. Der Kamerastudent Nikolai Singer begleitete insbesondere den Forschungsprozess zu PCI in einer Langzeitbeobachtung auf Video und montierte daraus seinen einstündigen 2012er Dokumentarfilm „Perfomers Computer Interaction“, der im Rahmen der Ausstellung zu „25 Jahre THEATER DER KLÄNGE“ erstmalig zu sehen sein wird.

HOEReographine war ebenfalls Material für den Tanzfilm „Soundness“ von Harald Opel (siehe Artikel „Alles bewegt sich“ in diesem Buch). HOEReographien wurde 2009 zunächst fortgesetzt in die kürzere und komprimierte Fassung „HOEReographien SUITE“. Diese war Ausgangspunkt für die 2010 entwickelte SUITE intemediale, welche den derzeitigen Stand der Möglichkeiten in der vom THEATER DER KLÄNGE entwickelten Form eines interaktiven, intermedialen Tanztheaters repräsentiert.

HOEReographien in der Presse

„Hier konnten die hochkonzentriert Kraft mit Anmut verbindenden vier Tänzerinnen ihre Bewegungen in synthetische Klänge umsetzen, die teils zeitverzögert ablaufenden Projektionen in Augenschein nehmen und dazu neue Klang-Figuren entwickeln. Diese Feedback-Tanz-Ton-Skulpturen verquickten Bewegung, Licht, Farbe, Klang und Form zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk. (…) einer faszinierenden, die Grenzen modernen Tanztheaters erweiternden Produktion. Entsprechend groß fiel der Schlussapplaus für die Designer und besonders die Tänzerinnen aus.“

Westfälischer Anzeiger

„Das Düsseldorfer Theater der Klänge hat im FFT-Juta seine neueste Produktion vorgestellt und im Zuge dessen das Premierenpublikum knapp 70 Minuten ohne Worte im Wahlfach „HOEReographie“ unterrichtet (…) in der puritanischen Ästhetik des Bauhausstils mit seiner Vorliebe für kubische Formen und den Einsatz der Primärfarben rot, blau und grün. Unter der Projektleitung Jörg Udo Lensings kreierten Jacqueline Fischer (Choreographie), Thomas Neuhaus (Musik/Ton/Video), Christian Schroeder (Licht) und Caterina di Fiore (Kostüme) ein Gesamtkunstwerk in interaktiver Bühnenumgebung, die vier Tänzerinnen zu Auslösern und Reglern des gesamten audiovisuellen Geschehens weden lässt; womit ein weiterer zentraler Aspekt des Bauhaus-Theaters aufgegriffen wird: die Verbindung von Kunst und Technik (…) Der Tanz, seine Dynamik und Intensität, erzeugt hier also eine Spannung sowohl innerhalb der akustisch-optischen Sphären als auch zwischen ihnen. In vierzehn abwechslungsreichen Stationen werden einem – mit zunehmender Dichte – die Möglichkeiten solcher ertanzter Klang- und Bilderwelten vorgeführt.“

Rheinische Post

„Das musikalische Material (Thomas Neuhaus) ist vorproduziert, aber wie und mit welcher Intensität es erklingt, das steuern die vier Tänzerinnen. Sicht- und hörbar hängen Bewegungen und Dynamik der Musik zusammen, Tempo und Lautstärke stehen in direktem Zusammenhang mit der Schnelligkeit oder Heftigkeit etwa eines Armschwungs. Da splittet sich das Video-Bild in unendliche viele Einzelbilder auf, oder das Ausgangsbild wird horizontal und vertikal gespiegelt. Farb- und Strukturverfremdungen sorgen für zusätzliche Effekte. Die „HOEReographien“ haben für alle, die an der Integration von Bühnengeschehen und Video interessiert sind, einen üppigen Katalog an Möglichkeiten zu bieten. Formal reich ist diese an die Bauhaustradition anknüpfende Auseinandersetzung mit den grundlegenden Bühnenelementen…“

Westdeutsche Zeitung

Mit den Augen kann man hören. – 60 Minuten lang greifbare Konzentration. 60 Minuten gebannte Stille im Publikum. Und nach der Uraufführung der „HOEReographien“ eine überdenkbare Sinneserfahrung mehr: Mit den Augen kann man hören, mit den Ohren sehen.
(…) Klugerweise beginnen die Tänzerinnen beim ersten Stück „Kanon scherzo affetuoso“ mit nahezu konventioneller Optik. Die Damen tragen ein für Orchestermusikerinnen so typisches „Kleines Schwarzes“, jeder kann eindeutig der Klang eines Streichinstrumentes zugeordnet werden. So reduziert, wird die kompliziert anmutende Idee der Macher leicht begreiflich. Schritt für Schritt zieht das Ensemble die Zuschauer in die Idee des Stücks hinein. Setzt nach und nach auf mehr Effekte, jederzeit bereit, auch wieder einen Schritt zurückzugehen. (…) Waren anfangs auf der Leinwand im Hintergrund nur schwarz-weiße Schattenspiele zu sehen, mutieren die Bewegungsabläufe zu kaleidoskopartigen Mustern und Videoskulpturen. Die Musik wird deutlich fragmentarischer, elektronischer.

NRZ

HOEReographien Audio

Wir benutzen auf dieser Website Cookies. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.

Pin It on Pinterest

Bitte teilen!

Interessant? Erzählen Sie es Ihren Kontakten!

X