Reden ist Silber…

Buch & Regie: J.U. Lensing  ·  Dramaturgie: Dr. Andreas Bossmann

Jahr & Rahmen

1994 · Neufassung 1998

Koproduktion mit dem Bauhaus Dessau

Spielstätte

Theaterhaus Düsseldorf

Bauhaus Dessau

Format

Maskentheater

Commedia dell’Arte / Theater, Tanz, Musik

Über die Produktion

„Reden ist Silber… ist eine Komödie über unsere Zeit, entlarvend, witzig, zum Teil brillant gespielt – eine gelungene Mischung aus Theater, Tanz und Musik, beweglich hinter starren Masken.“

– Erik Felske, Rheinische Post

Reden ist Silber… – der Titel klingt sprichwörtlich. Für dieses Stück gilt das aber nicht. Was das Theater der Klänge 1993/94 in gemeinsamer Autorenschaft des gesamten Ensembles entwickelt hat, ist ein politisches Stück, das die sozialen Zustände der deutschen Gegenwart direkt ins Theater holt: Arbeitslosigkeit, Migrationserfahrung, das allтägliche Scheitern von Kommunikation als gesellschaftliche Grundbedingung. Man schrieb das Jahr 1993: Asylrechtsdebatte, Solingen, die Frage, wie dieses Land mit denen umgeht, die nicht von hier sind. Das Ensemble entschied: Das gehört auf die Bühne. Dies gilt heute noch nach wie vor.

Die Form war klar: Commedia dell’Arte, jene Improvisationstradition des italienischen Volkstheaters aus dem 16. und 17. Jahrhundert, mit ihren festgelegten Charaktermasken und ihrem körperbetonten Spiel. Die Masken – von Nathalie Cohen und Erhard Stiefel (dem Maskenbauer des Théâtre du Soleil) entwickelt – erzwingen körperliche Präsenz dort, wo der Gesichtsausdruck fehlt. Sie übertreiben. Sie entlarven. Pulcinella wird zum Rheinländer Jupp, 56 Jahre alt, Lagerarbeiter, gerade entlassen, hilflos im Arbeitsamt und auf der Suche nach einem Sündenbock. Harlekino heißt Raadji – türkischer Abstammung, in Deutschland aufgewachsen, mit Akzent in beiden Sprachen, heimisch in keiner. Der Capitano ist ein Unternehmer und trägt einen Aktenkoffer. Die alten Typen sind nach wie vor da; man muss sie nur suchen.

In 25 Szenen prallen 13 Charaktere aufeinander – acht Darsteller wechseln die Rollen, einige mehrfach. Jede Begegnung scheitert auf ihre eigene Art: an Sprache, an Herkunft, an Überheblichkeit, an schlichter Gleichgültigkeit. Nicht weil die Menschen böse sind, sondern weil sie nicht zuhören können oder wollen. Das Stück beginnt bewusst nicht auf der Bühne: Mutter Fatma betritt das Publikum, spricht mit den Zuschauern über ihren Sohn Raadji, bevor sie auf die Bühne übergeht. Die Grenze zwischen Theater und Wirklichkeit bleibt unscharf. Sie soll es.

Die Produktion entstand als letzter Teil der Trilogie „Theater der Klänge und Bauhaus“ – in Koproduktion mit dem Bauhaus Dessau – und war 1994 insgesamt 19 Mal in fünf Städten zu erleben. Für die Retrospektive zum zehnjährigen Jubiläum des Theaters der Klänge wurde das Stück 1998 in einem vierwöchigen Probeprozeß aktualisiert, verdichtet, neu ausgerichtet. Was an ihm schon 1993 aktuell war, blieb es.


Gefördert durch: Bauhaus Dessau, Stadt Düsseldorf, Land NRW / Theaterreferat des Kultusministers, Stiftung van Meeteren

Mitwirkende

Buch
Ensemble / J.U. Lensing

Inszenierung
J.U. Lensing

Dramaturgie
Dr. Andreas Bossmann

Bühnenbild
Zarah Ritz-Rahman

Kostüme
Caterina di Fiore

Masken
N. Cohen · E. Stiefel · J.U. Lensing

Musik
J.U. Lensing · Thomas Wansing

Licht
J.U. Lensing · Sascha Hardt

Darsteller & Rollen

Jacqueline Fischer
Mutter Fatma

Kerstin Hörner
Silvia / Frau von Berg

Maria-Jesus Lorrio
Dolores

Ismini Sofou
Charalambos

Kai Bettermann
Uwe / Herr Kapitan

Clemente Fernandez
Raadji / Toni

Heiko Seidel
Jupp / Ali / Opa

Thomas Wansing
Mikel

Künstl. Betriebsbüro: Monic Wollschläger
Fotos: Sascha Hardt · Andreas Bossmann

Reden ist Silber – Pressespiegel

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