Reden ist Silber

Eine Komödie über unsere Zeit

Raadji: Keiner akzeptiert mich. Mich, den Menschen, Raadji. Raadji, den Türken, in Deutschland aufgewachsen. Akzent in beiden Sprachen, türkische Mentalität und deutsche Kultur. Keiner fragt mich, was ich will, keiner hört mir zu, wenn ich was sage. Alle reden nur und reden, reden, reden… und meinen mir sagen zu müssen, was ich sein soll, wie ich denken soll, was ich lernen soll, was ich zu tun habe…

Das Ensemble

ein Stück von Kai Bettermann, Andreas Brossmann, Clemente Fernandez, Jacqueline Fischer, Kerstin Hörner, Jörg U. Lensing, Maria-Jesus Lorrio, Heiko Seidel, Ismini Sofou, Thomas Wansing. Eine Koproduktion des Theaters der Klänge mit dem Bauhaus Dessau
Besetzung der Uraufführung vom 17. Februar 1994 im Theaterhaus Düsseldorf
Buch: Ensemble des Theaters der Klänge; Jörg U. Lensing
Inszenierung: Jörg U. Lensing
Dramaturgie: Dr. Andreas Bossmann
Regieassistenz: Dorothea Schröder
Bühnenbild: Zarah Ritz-Rahman
Kostüme: Caterina di Fiore
Masken: Nathalie Cohen, Erhard Stiefel, Jörg U. Lensing
Musik: Jörg U. Lensing, Thomas Wansing
Licht: Jörg U. Lensing, Sascha Hardt
Darsteller und ihre Rollen:
Mutter Fatma: Jacqueline Fischer
Silvia, Frau von Berg: Kerstin Hörner
Dolores: Maria-Jesus Lorrio
Charalambos: Ismini Sofou
Uwe, Herr Kapitan: Kai Bettermann
Raadji, Toni: Clemente Fernandez
Opa, Jupp, Ali: Heiko Seidel
Mikel: Thomas Wansing
Administrative Leitung: Jörg U. Lensing
Künstlerisches Betriebsbüro: Monic Wollschläger
Büro-Praktikum: Helene Wimmer
Plakat- und Programmheftgestaltung: Ernst Merheim
Fotos: Sascha Hardt, Andreas Bossmann
Für die zeitweilige Mitarbeit als Gäste in der ersten Probenphase danken wir Sonja Antinori, Hardi Barnewold, Viola Röger und (im Büro) Sabine Schrey.

Über die Produktion

Reden ist Silber… – eine Komödie über unsere Zeitist der Titel eines in gemeinsamer Autorenschaft der Ensemblemitglieder des Theaters der Klänge kreierten Theaterstücks über die aktuelle Gegenwart im Jahr 1993/94, mit dem inhaltlichen Kernthema “Kommunikation”. Mithilfe von Masken, die von den historischen Halbmasken der italienischen “Commedia dell’ Arte” abgeleitet sind, wird eine Palette typisch zeitgenössischer Figuren geschaffen. Diese Typen begegnen sich in den unterschiedlichsten Situationen und Konstellationen, die jeweils einen spezifischen Kommunikationskonflikt aufzeigen. Man begegnet dabei genauso den historischen “Commedia dell’ Arte” Masken des Capitano, Pulchinella oder Harlekino in ihrer modernen Entsprechung, wie vielen neu-gefundenen typisierenden Maskenfiguren.

Theater ist diesem Stück wieder ein Ort des Geschichtenerzählens, wie schon in der historischen “Commedia dell’ Arte”. Erzählt werden dabei beispielsweise die Geschichte vom Harlekino – Raadji, einem jungen Türken, der nach abgeschlossenem Militärdienst in der Türkei versucht in Deutschland sein Glück zu machen und sich mit einer brutal feindlichen Gesellschaft konfrontiert sieht; oder von Jupp, einem älteren Lageristen, der seine Arbeit verliert und in seiner neuen sinnlosen Situation seine Einsamkeit realisiert; oder vom spanischen Polchinelle – Toni, der alles dafür tut von der deutschen Oberschicht anerkannt zu werden; oder vom Harlekino – Ali, dem Marokkaner, der sich gewitzt und skrupellos in dieser Gesellschaft durchschlägt oder, oder, oder…

In 25 Szenen entsteht dabei ein Kaleidoskop unterschiedlichster Begegnungen und ein Beziehungsgeflecht der Figuren zueinander, welche durch komödiantisches Spiel und Witz ihre jeweiligen Sprach- oder Kommunikationsprobleme meistern, oder an ihnen scheitern… Gleichzeitig führt diese Theaterform die ureigenen Mittel der Theater-Maske und der Theater-Musik wieder ins aktuelle Schauspiel ein. Dazu den Tanz und Gesang im Spiel, die direkte Kommunikation der Darsteller mit dem Publikum, das Aufheben der abgedunkelten Trennung von Bühnen- und Zuschauerraum. Theater ist hier wieder der Ort des gemeinsamen Lachens und Amüsierens über witzige Situationen treffender Figuren unserer Zeit, ein Ort mit dem festlichen Charakter eines Theaterabends, indem Foyer, Einlaß und anschließende Aufführung zu einem schönen, außergewöhnlichen und gemeinschaftlichen Theaterereignis von Darstellern, Musikern und Publikum werden.

“Reden ist Silber…” war eine aktuelle Komödie über unsere Zeit im Stil einer “zeitgenössischen Commedia dell’ Arte”!
Reden ist Silber… wurde 1994 insgesamt 19 mal in 5 verschiedenen Orten gespielt. Das Stück stellte für das Ensemble eine Reaktion auf die vorangegangene Produktion “Figur und Klang im Raum” dar und ist erneut ein politisches Theaterstück. Es entstand als letzter Teil der Trilogie “Theater der Klänge und Bauhaus” in Kooperation mit diesem. Für die Jubiläumsfeierlichkeiten anläßlich des zehnjährigen Jubiläums des THEATERs DER KLÄNGE wurde eine Neufassung in 1998 erarbeitet, die 8 Aufführungen im damaligen Düsseldorfer “Pantheon” (heute Templum) vor begeistertem Publikum erlebte.

Das durch “Reden ist Silber…” erarbeitete virtuose Spiel mit Masken fand 1999 einen vorläufigen Abschluß in der Inszenierung “Die Neuberin”.

Reden ist Silber in der Presse

Mit komödiantischer Leichtigkeit bringt das “Theater der Klänge” in seinem Stück “Reden ist Silber…” Probleme aus der Gegenwart auf die Bühne und entdeckt als Wurzel manchen Übels die mangelnde Fähigkeit zur Kommunikation. (…) Die lebensnahen Themen finden ihren Kontrast im Gesicht der acht Darsteller: Das “Theater der Klänge” spielt seine zeitgenössischen Figuren mit Hilfe von Halbmasken, die aus dem italienischen Volkstheater des 16. bis 18. Jahrhunderts (Commedia dell’Arte) abgeleitet sind. Für das Ensemble die Rückkehr zur “echt theatralischen Form”, für den Zuschauer ebenso fremd wie interessant. (…) In einer bunten und temporeichen Folge von 25 Szenen lassen die Autoren die 13 Charaktere ungebremst aufeinanderprallen. Das Stück enttarnt Überheblichkeit, Einfalt und Intoleranz als Hürden auf dem Weg zum Dialog und zeigt das Ende aller Kommunikation im Spielsalon… “Reden ist Silber… ” ist eine Komödie über unsere Zeit, entlarvend, witzig, zum Teil brillant gespielt – eine gelungene Mischung aus Theater, Tanz und Musik, beweglich hinter starren Masken.
Rheinische Post

So düster die Themen, so unterhaltsam die Darstellung des Hindernislaufes von Mißverständnis und Unverständnis, den Raadji und Jupp zu absolvieren haben. Denn Arbeitsloser ist nicht gleich Arbeitsloser. Kommt es doch in erster Linie darauf an, ob man Türke, Spanier, Marokkaner, Grieche oder Deutscher ist. Beim Auf- und Abstieg auf der Karriereleiter ist auch nicht unwichtig, ob man Hochdeutsch spricht oder nur rheinisches Platt beherrscht, wo sich die “Arbeit” schnell mit dem “Orbit” verwechseln läßt, und bald das “Leck mich anne Tesch” die einzig mögliche Antwort auf alle Probleme scheint. Sehr gut gelingt den acht Schauspielern, einige davon in Doppelrollen, die amüsant übersteigerte Darstellung der Typen in Gestik und Sprache.
Neue Rhein Zeitung

Gleich einem Geflecht verknüpft sich Szene um Szene zueinnander, dessen Konturen erst im Spielverlauf deutlich werden. (…) Das Stück “Reden ist Silber…”, das direkt aus dem Spiel der Gruppe um das Thema Kommunikation ohne literarische Vorlage entstanden ist, bringt in der Verkehrung, in der Groteske die Verhältnisse zum tanzen, um uns diesen so wieder anzunähern. Was sie an dem Versammlungsort Theater vorführen und wozu sie anregen, ist Sensibilität für die kleinsten Bausteine sozialer Realität: die unendlichen Begegnungen und Situationen zwischen Menschen unterschiedlicher Milieus und Kulturen mit ihren vielfältigen Fahigkeiten zu Ausdruck und Kommunikation.
Bauhaus-Zeitung

Brilliantes Maskenspiel vom Rhein. (…) Über die Bühne geht, häufig im rheinischen Dialekt, eine neue Art drastischen Volkstheaters, ohne daß jedoch nach billiger Schwarz-Weiß-Manier die Handlung simplifiziert würde. (…) Das achtköpfige Ensemble schlüpft wandlungsreich in 13 verschiedene Rollen. Jede wird prall mit Leben gefüllt. Das Fazit: ein außergewöhnlicher Schauspielabend (…), durch eine nicht weniger außergewöhnliche musikalische Untermalung (angerissene Klaviersaiten, Psalter- und Trommelklänge). (…) Rund dreihundert Besucher hielten es bis eine halbe Stunde nach Mitternacht aus und feierten das Ensemble vom Rhein für sein engagiertes Spiel mit lautstarkem Applaus.
Wolfsburger Nachrichten

Reden ist Silber: Audio

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