RESONANZRAUM 40

„Hier wird das Archiv nicht gezeigt, sondern erfahren.“

Jörg U. Lensing

 

ab Samstag, 10. Oktober 2026

 

Das Probenstudio in Düsseldorf-Pempelfort wird zum lebendigen Organismus

 

2026 feiert das THEATER DER KLÄNGE sein 40-jähriges Bestehen – vier Jahrzehnte experimenteller Theaterkunst, die größtenteils in einem besonderen Raum entstanden sind: dem Probenstudio in Düsseldorf-Pempelfort. Dieser Ort, in dem fast alle Produktionen ihre erste Form gefunden haben, soll zum Herzstück einer außergewöhnlichen Retrospektive werden, die weit über eine klassische Rückschau hinausgeht.

„RESONANZRAUM 40″ transformiert das vertraute Probenstudio in einen atmenden, lebendigen Organismus, in dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft symbiotisch miteinander verschmelzen. Durch innovative Videomapping-Technologie werden die Wände und die Decke zu Projektionsflächen, auf denen 40 Jahre Theatergeschichte als Licht, Bewegung und Erinnerung neu erlebbar werden. Eine räumgreifende Lautsprecherinstallation schafft eine dreidimensionale Klanglandschaft, in der historische Aufnahmen mit Sounddesign zu neuen Kompositionen verschmelzen.

Das duale Konzept

An zwei bis drei Tagen pro Woche öffnet sich der Raum als immersive Installation, in der Besucher frei navigieren können – sie können auf der eigens dafür dort aufgebauten Tribüne sitzen, sich auf den Tanzteppich legen oder umherwandeln, während um sie herum 40 Jahre künstlerischer Arbeit in einem einstündigen audiovisuellen Zyklus lebendig werden.

An ausgewählten Wochenenden erwacht der Raum zu neuem Leben: Live-Performances entstehen im Dialog mit den projizierten Erinnerungen, wobei das Publikum nicht nur fertigen Aufführungen beiwohnt, sondern den gesamten kreativen Prozess miterlebt – vom Ankleiden der historischen Kostüme über die Performance bis zur anschließenden Reflexion.

Tribüne Resonanzraum 40

Programm
2026 / 2027

23.–25. Okt 2026
Das mechanische Ballett

06.–07. Nov 2026
Der Silberprinz

01.–03. Jan 2027
LUDUS DANIELIS & Gregorius

14.–17. Jan 2027
TRIAS – Das triadische Ballett

19.–20. Feb 2027
Figur und Klang im Raum & SUITE intermediale

19.–21. Mrz 2027
Das Lackballett

12.–18. Apr 2027
Heinrich Heines Le Grand

28.–30. Mai 2027
West-Land-Tänze

24.–27. Jun 2027
Coastal Souls

Probenstudio Düsseldorf-Pempelfort
Der Silberprinz, Theater der Klänge 2018
Das Lackballett, Ascona 2019

Ein Projekt der Nachhaltigkeit

Die symbiotische Kraft des Projekts zeigt sich besonders in seiner Nachhaltigkeit: Ausschließlich bereits vorhandene Kostüme und Requisiten werden verwendet, jede Performance fügt neue Schichten zur Gesamtinstallation hinzu, und das Publikum wird von passiven Betrachtern zeitweise auch zu aktiven Mitgestaltern eines sich stetig entwickelnden Kunstwerks.

So entsteht über das Jahr hinweg nicht nur eine Dokumentation vergangener Arbeit, sondern ein Modell für eine mögliche Zukunft des Theaters – eines, das Tradition und Innovation, Analoges und Digitales, Performer und Publikum in echter Symbiose vereint. „RESONANZRAUM 40″ macht das Theater der Klänge zu einem Pionier einer neuen Form der partizipativen Erinnerungskultur und etabliert einen Raum, der über 2026 hinaus als lebendiges Archiv der deutschen Musiktheater-Geschichte bestehen kann.

 

Programmübersicht 2026 / 2027

 

Zeitraum Produktion Format & Fokus
23.–25. Okt 2026 Das mechanische Ballett Duette, Trios. Die Ursprünge der intermedialen Arbeit (Bauhaus-Referenz).
06.–07. Nov 2026 Der Silberprinz Komplette Aufführung. 6 Darsteller plus Audio-Vision Ein Dialog zwischen Walter Gropius und zeitgenössischer Ästhetik.
01.–03. Jan 2027 LUDUS DANIELIS & Gregorius Konzertant-szenische Aufführung mit dem Musikensemble ESTAMPIE sowie Schauspielsoli.
14.–17. Jan 2027 TRIAS – Das triadische Ballett Tanz-Soli, Duette, Trios. Live-Musik. Die Triade als strukturelles Prinzip.
19.–20. Feb 2027 Figur und Klang im Raum & SUITE intermediale Duette, Live-Komponist, interaktives Videodesign. Sensorische Steuerung und Echtzeit-Transformation. Eine Tänzerin, aber auch das Publikum als Akteure!
19.–21. Mrz 2027 Das Lackballett Duette, Live-Komponist, Live-Videodesign. Materialität und Oberfläche auf einer digital zu bemalenden Leinwand.
12.–18. Apr 2027 Heinrich Heines Le Grand Komplettaufführung. 2 Schauspieler, 2 Musiker. Text, Musik und visuelle Projektionen.
28.–30. Mai 2027 West-Land-Tänze Duette, Bal modern, Live-Musik. Räumliche Dynamik und kulturelle Hybridität.
24.–27. Jun 2027 Coastal Souls Komplettaufführung. 4 Tänzerinnen, 1 Musiker. Die jüngste Schöpfung im Kontext der Historie.

Digitale Medienkompetenz des Theaters der Klänge

Das Theater der Klänge verfügt über eine außergewöhnliche, über fast vier Jahrzehnte gewachsene Expertise in der Integration digitaler Medientechnologien in den performativen Raum. Diese kontinuierliche Pionierarbeit macht die Kompanie zu einer der führenden freien Musik- und Tanztheatergruppen Deutschlands im Bereich intermedialer, interaktiver Bühnenkunst.

Historische Entwicklung

Bereits mit der ersten Produktion 1987, der Mechanischen Bauhausbühne, setzte das Theater der Klänge auf neue Technologien: Ein elektronischer Score steuerte über Timecode die Lichtführung zweier Diaprojektoren, ergänzt durch Videorückprojektion für die Erstrealisation von Laszlo Moholy-Nagys Mechanischer Exzentrik. 1993 erweiterte die Produktion Figur und Klang im Raum diese Ansätze durch ein gestisches Steuerungssystem für eine Solotänzerin sowie Lichtschranken zur Sound-Triggerung.

Forschungsbasierte Weiterentwicklung

Ab 2001 intensivierte sich die Forschungsarbeit durch zwei wegweisende Projekte der FH Dortmund: Performer Computer Interaction (PCI) führte zu den Produktionen Megalopolis und Modulator, in denen Musikparameter und Videotransformationen mittels Max/MSP und Jitter durch Live-Kamerabilder der Tänzer gesteuert wurden. Das Folgeprojekt Interactive Integrative Performance (IIP) mündete in das Tanzstück HÖReographien. Die Vollendung dieser Forschungslinie bildete die Großproduktion SUITE intermediale (2010–11).

2023 realisierte das Theater der Klänge ein Virtuelles totales Theater, das online besuchbar ist und auf den nun in 3D umgesetzten, nie realisierten Architekturplänen Walter Gropius‘ basiert.

Expertise für „Resonanzraum 40″

Für das geplante Projekt steht das An-Institut kiU im Dortmunder U als Kooperationspartner zur Verfügung. Sein Leiter Harald Opel hat sich als Spezialist für Fassaden-Mapping etabliert und bringt seine Expertise für die immersive Innenraumgestaltung ein. (page 21)

Das Projekt baut auf einer fundierten, erprobten technologischen und künstlerischen Basis auf, die Videomapping, immersive Klangraumgestaltung und interaktive Elemente nicht als isolierte Effekte einsetzt, sondern als integrale Bestandteile einer kohärenten künstlerischen Vision, die 40 Jahre Erfahrung in einen zukunftsweisenden Reflexionsraum transformiert.


RESONANZRAUM 40
ab Samstag, 10. Oktober 2026
Probenstudio des THEATER DER KLÄNGE, Düsseldorf-Pempelfort

Coastal Souls, Düsseldorf 2025, Foto: Michael Zerban
Bauhaus-Ballette, Theater der Klänge 2017
Heinrich Heines Le Grand, Düsseldorf 2025, Foto: Michael Zerban